Ein Blick in die Historie der Stadt Luby

Das ehemalige Schönbach, das heutige Luby, liegt in einem Landstrich, der in der Zeit der ersten Besiedlung als „Waldgegend“ oder „das Schönbacher Ländchen“ bezeichnet wurde. Die erste Besiedlang kann man auf den Zeitraum zwischen 1100 und 1140 datieren. Im Jahre 1319 erlaubt der deutsche König Ludwig IV., der Bayer, dem Abt des Zisterzienserklosters Waldsassen, Johann III. das Dorf Schönbach zur Stadt zu erhöhen und mit den gleichen Rechten auszustatten, derer sich die Stadt Eger (Cheb) erfreute.

Die Anfänge des Geigenbaus im Schönbacher Ländchen reichen höchstwahrscheinlich bis an das Ende des 16. Jahrhunderts zurück. Mit dem Aufschwung des Bergbaus (Förderung von Zinnober in Oberschönbach) kamen nicht nur Bergleute, sondern auch Musiker ins Schönbacher Ländchen. Der Bau von Musikinstrumenten wurde zur ergänzenden Einnahmequelle in der Zeit des Niedergangs der Erzförderung. Es gibt über diesen Zeitraum jedoch keine Dokumente, weil im November des Jahres 1739 ein Brand die Stadt und auch das städtische Archiv vernichtete. Gerettet wurde nur das Personenregister aus dem Jahre 1721. Darin finden wir einen Eintrag, dass die älteste erhaltene Geige im Jahre 1664 von Meister Johann Adam Pöpel gebaut wurde. Sie wird in einem Museum in Nürnberg aufbewahrt. Einen weiteren Eintrag gibt es unter dem Jahre 1721, nach dem der Geigenbauer Elias Placht als der neuzeitliche Begründer des Geigenbaus in Schönbach angesehen wird. Gleichzeitig weitet sich die Herstellung von Geigen auf die benachbarten Orte Markneukirchen und Klingenthal aus.

Historie Luby - die älteste erhaltene Geige Historie Luby Historie Luby Historie Luby Historie Luby Historie Luby

Im 18. Jahrhundert werden in Schönbach Meisterinstrumente von hoher Qualität vor allem durch das Verdienst der Placht-Dynastie hergestellt. Sehr bekannt werden auch die Geigenbauer-Familien der Sandner, Hoyer und Schuster, welche dann eigentlich die berühmte Schönbacher Geigenbauschule gründen. Im Laufe der Zeit bekommt jedoch die Herstellung von billigeren Schulinstrumenten das Übergewicht. was wiederum für die Zukunft einen Schatten auf die Meisterarbeit in Schönbach wirft. Im Jahre 1873 wird eine Musikschule gegründet, die sich allmählich zu einer Geigenbauschule umgestaltet.

Im Jahre 1900 wird Schönbach mit Elektrizität versorgt und mit dem Eisenbahnnetz verbunden. Von da an geht es mit der Produktion von Musikinstrumenten steil aufwärts. In den folgenden Jahren werden mehr als 3.000 Personen im Instrumentenbau beschäftigt. Die Jahresproduktion steigt auf 150.000 Stück. Die Instrumente werden nach ganz Europa und auch nach Übersee exportiert.

Im Sommer des Jahres 1927 wurde das Geigenbauer-Denkmal enthüllt. Es gibt allen unbekannten Geigenbauern und Produzenten von Musikinstrumenten die Ehre, die sich um die Weiterentwicklung dieses Handwerks im Schönbacher Ländchen verdient gemacht haben.

Zu dieser Zeit repräsentierten die Schönbacher Schule namentlich Geigenbauer-Meister wie Karl Müller, Willibald Wilfer, Alfred Neudörfer oder später Josef Pötzl. Im 20. Jahrhundert, in den Jahren der Weltwirtschaftskrise und dann in der Zeit des Zweiten Weltkrieges kam es zu einer bedeutenden Einschränkung der Produktion. Gleich nach dem Krieg wurden fast alle deutschen Geigenbauer aus der Tschechoslowakei abgeschoben. Sie ließen sich im bayerischen Bubenreuth und in Erlangen nieder. Letzteres ist als ein zweites Schönbach mit einem ähnlichen Geigenbauerdenkmal bekannt.

Im Jahre 1948, als in der Tschechoslowakei die Kommunisten die Macht ergriffen, wurde die Produktion nach und nach verstaatlicht. Schließlich wurden sämtliche Manufakturen und kleinen Werkstätten zu einem großen Staatsbetrieb mit dem Namen „Cremona“ vereinigt.

Aus dem tschechischen Kernland kamen weitere Geigenbauer-Meister wie Bohumil Pechar, Jiří Mrkvička, Bohuslav Hřib und Josef Vávra nach Schönbach, das in Luby umbenannt worden war. Sie trugen mit dem ihnen eigenen Fleiß zur Herausbildung der jetzigen Meister-Generation in Luby bei und legten für künftige Generationen ein gutes Fundament.

In den 70er und 80er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts bewahrten die Meistergeigenbauer Emil Lupač, Karel Zadražil, Josef Budil, Miroslav Pikart, Libor Šefl, Jan Pötzl und weitere jüngere Meister die Qualität der Geigenbauerschule. Überwiegend arbeiteten sie für den Staatsbetrieb „Cremona“, welcher sich nach dem Fall des Regimes in „Strunal“ umbenannte. Es bildeten sich einige kleinere Firmen und die Geigenbauer konnten nach langer Zeit wieder zu Hause in der eigenen Werkstatt arbeiten.

Im Jahre 2005 wurde zum großen Leidwesen der Bürger von Luby und aller Hersteller von Musikinstrumenten durch eine Entscheidung des Bezirks Karlovy Vary die Geigenbau-Schule nach Cheb verlegt.

Das Geigenbauer-Denkmal, das auf das Leben und Treiben der Stadt Luby (tsch.: lub - dt.: Zarge) hinabschaut bekräftigt die Tatsache, dass trotz schwierigen Zeiten und trotz großer Konkurrenz Luby durch den Bau von Musikinstrumenten welbekannt bleibt.